Kurz beantwortet
Was eine Dienstanweisung für die Pforte leisten muss
Eine Dienstanweisung beschreibt den Dienst an einem bestimmten Objekt so genau, dass zwei verschiedene Kräfte in derselben Lage dasselbe tun. Sechs Blöcke tragen sie: Auftrag, Dienstzeiten, Zuständigkeit, Meldewege, Verhalten im Ereignisfall und Schnittstellen zu den übrigen Beteiligten im Haus. Alles andere sind Anhänge.
Den Entwurf schreibt üblicherweise der Sicherheitsdienst, weil er weiß, wie sich eine Regel im Schichtbetrieb anfühlt. Verantwortet wird der Inhalt vom Auftraggeber: Er gibt das Hausrecht vor, benennt die Stellen, die entschieden werden dürfen, und zeichnet die Fassung, nach der gearbeitet wird. Bei uns gilt: je Objekt eine schriftliche, mit dem Kunden abgestimmte Dienstanweisung.
Geprüft gehört sie zu einem festen Jahrestermin und zusätzlich immer dann, wenn sich am Objekt etwas ändert. Fehlt sie ganz, entsteht kein sofortiger Schaden – aber jede Kraft entwickelt ihre eigene Auslegung, und im Streitfall gibt es nichts, woran sich eine Pflicht messen ließe.
Inhalt
Sechs Blöcke, die hineingehören
Die Reihenfolge ist beliebig, das Vorhandensein nicht. Wer einen Block streicht, verlagert ihn in die Improvisation der Schicht.
Auftrag: wofür der Posten steht
Zwei bis drei Sätze, die den Zweck benennen – Kontrolle der Zufahrt, Führung der Anwesenheit, Annahme von Lieferungen. Wer ihn weglässt, bekommt eine Aufgabenliste ohne Rangfolge, und im Gedränge wird das Falsche zuerst erledigt.
Dienstzeiten: wann der Posten besetzt ist
Beginn und Ende jeder Schicht, Wochenend- und Feiertagsregelung, Pausenvertretung, Verhalten bei Verspätung der Ablösung. Wichtig ist der Satz zur unbesetzten Zeit: Was zwischen Dienstende und Betriebsbeginn gilt, wer dann zuständig ist und welche Türen verschlossen bleiben.
Zuständigkeit: wer weisungsbefugt ist
Namentlich benannt, mit Stellvertretung. Fachliche Weisungen zum Objekt kommen vom Auftraggeber, arbeitsrechtliche ausschließlich vom Sicherheitsdienst. Diese Trennung erspart Diskussionen darüber, wer eine Kraft zu Überstunden oder objektfremden Tätigkeiten heranziehen darf.
Meldewege: an wen, in welcher Reihenfolge
Eine Kaskade mit Rufnummern: erste Stelle, Vertretung, Bereitschaft, und ausdrücklich die Regel für den Fall, dass niemand abhebt. Dieser letzte Punkt ist der, der in vorgefundenen Anweisungen am häufigsten fehlt – und er ist der einzige, der nachts um drei tatsächlich gebraucht wird.
Ereignisfall: was im Ernstfall passiert
Für Feuer, Medizinisches, Einbruchsversuch, Stromausfall, Wasser und aggressives Verhalten je ein kurzer Ablauf, immer in derselben Gliederung: sofort tun, verständigen, dokumentieren, einweisen. Kurze Abläufe werden unter Druck gelesen, lange nicht.
Schnittstellen: wer sonst noch beteiligt ist
Haustechnik, Reinigung, Werkfeuerwehr, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Brandschutzbeauftragter, Fuhrpark, Empfang. Zu jeder Stelle gehört, wann sie einzubinden ist und wer den Kontakt herstellt. Ohne diesen Block bleibt die Pforte eine Insel.
Abgrenzung
Was die Dienstanweisung nicht ist
Vier andere Papiere kursieren im selben Ordner. Sie zu vermischen macht die Anweisung dick und unlesbar – und die Verantwortung unklar.
- Leistungsverzeichnis
- Es regelt das Vertragsverhältnis: Stundenumfang, Qualifikation, Abrechnung, Kündigung. Die Dienstanweisung regelt das Verhalten im Dienst. Wer beides zusammenlegt, muss bei jeder Preisanpassung ein Papier ändern, das die Schicht täglich in der Hand hat.
- Objektakte
- Pläne, Schlüsselübersicht, Telefonliste, Fotos der Zufahrten: Anlagen, die sich oft ändern und deshalb getrennt geführt werden. Die Anweisung verweist auf sie, nimmt sie aber nicht in den Text auf.
- Alarm- und Notfallplan
- Er gilt für das ganze Haus und wird vom Betreiber verantwortet, meist unter Mitwirkung des Brandschutzbeauftragten. Die Anweisung übersetzt ihn in die Handgriffe des Postens: welche Tür aufgeschlossen wird, wohin die Feuerwehr eingewiesen wird, welche Liste mitzunehmen ist.
- Hausordnung
- Sie richtet sich an Beschäftigte und Besucher, nicht an die Sicherheitskraft. Die Anweisung sagt nur, wie deren Durchsetzung an der Pforte aussieht – und wo die Befugnis endet: bei Hausrecht und Jedermannrechten.
- Der Nachweis über den Dienst
- Was tatsächlich geschehen ist, steht später in Wachbuch und Vorfallbericht. Die Anweisung ist die Regel davor, die Aufzeichnung der Beleg danach. Beides in einem Dokument zu führen funktioniert nicht, weil das eine stabil bleiben soll und das andere täglich wächst.
Urheberschaft
Wer schreibt, wer verantwortet, wer zeichnet
Die Frage klingt formal, entscheidet aber, ob das Papier im Zweifel trägt.
- Den Entwurf liefert der Dienstleister. Er kennt die Formulierungen, die im Schichtbetrieb funktionieren, und weiß, welche Lücke sich später rächt. Ein leeres Formular an den Kunden zu schicken führt regelmäßig zu einem halben Blatt Stichpunkte.
- Den Inhalt verantwortet der Auftraggeber. Hausrecht, Zutrittsberechtigungen, Meldestellen und Ausnahmen kann nur er festlegen. Er gibt vor, welche Personengruppe ohne Rückfrage passiert und wer im Zweifel gefragt wird; der Dienstleister formuliert das aus und weist auf Widersprüche hin.
- Beteiligt werden, wer täglich damit arbeitet. Pforte, Haustechnik und Versand lesen den Entwurf gegen. Aus dieser Runde kommen die Punkte, an die im Büro niemand gedacht hat – etwa die Lieferung, die seit Jahren durch das hintere Tor kommt.
- Gezeichnet wird auf beiden Seiten. Datum, Fassung und zwei Unterschriften. Eine ungezeichnete Fassung ist eine Absichtserklärung. Jede Kraft bestätigt zusätzlich mit Datum, dass sie die für ihr Objekt geltende Fassung gelesen hat – das ist auch der Nachweis, dass eine spätere Änderung angekommen ist.
Abstimmung
Vom ersten Rundgang zur gezeichneten Fassung
Fünf Schritte, die sich in wenigen Tagen erledigen lassen, wenn die Termine stehen.
- Begehung mit Notizen Zufahrten, Loge, Nebeneingänge, Technikräume, Rückstaufläche. Dabei wird mitgeschrieben, was die Leute vor Ort über Ausnahmen erzählen – dort liegt der Rohstoff für den Text.
- Entwurf in der Gliederung der sechs Blöcke Der Dienstleister formuliert aus, kennzeichnet offene Punkte deutlich und stellt Fragen, statt Annahmen zu treffen. Ein Entwurf mit fünf markierten Lücken ist besser als einer mit fünf erfundenen Regelungen.
- Durchsprache am Objekt Nicht per Mail, sondern an der Pforte, Punkt für Punkt. Dabei fällt auf, wenn eine Regel räumlich gar nicht umsetzbar ist – etwa eine Sichtkontrolle an einem Tor ohne Sicht auf die Ladefläche.
- Zeichnung und Ausgabe Beide Seiten unterschreiben die Fassung mit Datum. Ein Exemplar liegt in der Loge, eines beim Auftraggeber, eines in der Disposition. Ältere Ausdrucke werden eingezogen, damit nicht zwei Stände parallel laufen.
- Einweisung vor dem ersten Dienst Jede eingeteilte Kraft wird am Objekt eingewiesen, bevor sie das erste Mal Dienst tut – Vertretungen eingeschlossen. Die Anweisung wird dabei nicht ausgehändigt, sondern durchgegangen, mit Blick auf die Stellen, die sie betrifft.
Entscheidungshilfe
Alltagsfall und die Festlegung, die ihn abdeckt
Links der Fall, der ohnehin eintritt. Rechts, in welchem Block er geregelt sein muss und wer die Entscheidung trägt.
| Fall im Alltag | Block in der Anweisung | Entscheidung liegt bei |
|---|---|---|
| Besucher steht ohne Anmeldung am Tor | Meldewege mit Kaskade | Benannte Stelle im Haus |
| Lieferung kommt außerhalb des Zeitfensters | Auftrag und Meldewege | Versand oder Betriebsleitung |
| Rauchmelder löst nachts aus | Ereignisfall, Ablauf Feuer | Vorgegebener Ablauf, keine Rückfrage |
| Ablösung erscheint nicht zur Schicht | Dienstzeiten | Disposition des Dienstleisters |
| Beschäftigter verlangt objektfremde Tätigkeit | Zuständigkeit und Weisungsrecht | Sicherheitsdienst |
| Handwerker braucht Zugang zum Technikraum | Schnittstellen zur Haustechnik | Haustechnik |
| Person weigert sich, das Gelände zu verlassen | Ereignisfall und Befugnisgrenze | Auftraggeber, dann Polizei |
Prüfung
Wie oft geprüft wird und was eine Änderung auslöst
Ein fester Termin allein genügt nicht – die meisten Fortschreibungen entstehen zwischendurch.
- Ein Jahrestermin, verbindlich gesetzt. Üblich ist eine jährliche Durchsicht mit dem Auftraggeber, oft gekoppelt an die Begehung der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Der Termin steht im Kalender, nicht auf einer Wiedervorlageliste – sonst verschiebt er sich um Quartale.
- Anlässe, die nicht auf den Termin warten. Neue Toranlage, geänderte Anlieferzeiten, ein zusätzlicher Mieter im Haus, ein Wechsel der Ansprechperson, eine umgebaute Zufahrt. Jede dieser Änderungen macht mindestens einen Block der Anweisung unrichtig, und unrichtige Absätze werden von der Schicht schnell insgesamt nicht mehr ernst genommen.
- Jedes Vorkommnis ist ein Prüfauftrag. Nach einem Ereignis wird nicht nur der Vorgang aufgearbeitet, sondern auch die Frage gestellt, ob die Anweisung dazu etwas gesagt hat. Wenn nicht, entsteht daraus ein neuer Absatz – das ist die produktivste Quelle für Fortschreibungen.
- Versionen sauber führen. Fassungsnummer, Datum, kurze Änderungsübersicht auf dem Deckblatt. So lässt sich später belegen, welcher Stand zum Zeitpunkt eines Vorfalls galt. Ohne diese Angabe ist im Nachhinein nicht mehr feststellbar, welche Regel die Kraft eigentlich in der Hand hatte.
Praxis
Woran es in der Praxis scheitert
Fünf Muster, die in vorgefundenen Unterlagen immer wieder auftauchen – und was sie anrichten.
- Es gibt gar keine. Der häufigste Fall. Dann arbeitet jede Kraft nach dem, was ihr beim Anlernen erzählt wurde, und die Auslegung driftet innerhalb weniger Wochen auseinander. Im Schadenfall fehlt der Maßstab: Beide Seiten streiten darüber, was man hätte erwarten dürfen, und dieser Streit dauert länger als jede Abstimmung gedauert hätte.
- Sie ist eine Kopie von einem anderen Objekt. Erkennbar an Türen, die es nicht gibt, und Rufnummern, die niemand mehr hat. Eine Anweisung, in der ein Absatz nachweislich nicht stimmt, verliert ihre Verbindlichkeit auch für die übrigen.
- Sie ist zu lang. Vierzig Seiten mit Rechtszitaten liest niemand um vier Uhr früh. Brauchbar sind wenige Seiten in klarer Gliederung, Abläufe in Spiegelstrichen, Anlagen getrennt.
- Sie regelt nur den Normalfall. Ausnahmen werden gemieden, weil sie unangenehm sind: der Beschäftigte ohne Ausweis, die Lieferung ohne Papiere, die Person, die nicht gehen will. Genau diese Fälle entscheiden später über die Bewertung des Dienstes.
- Niemand hat sie gelesen. Sie liegt in der Loge, ordentlich abgeheftet, ungeöffnet. Ohne Einweisung am Objekt und ohne dokumentierte Kenntnisnahme bleibt sie ein Papier für den Aktenordner. Die Einweisung ist der Teil, der die Anweisung überhaupt wirksam macht.
So arbeiten wir
Wie wir Dienstanweisungen ansetzen
Unsere Arbeitsweise dazu ist festgelegt und lässt sich vor Vertragsschluss nachfragen.
- Je Objekt eine eigene Fassung. Für jedes Objekt, das wir besetzen, gibt es eine schriftliche, mit dem Kunden abgestimmte Dienstanweisung – auch dann, wenn wir nur eine Nachtschicht stellen. Für den Zuschnitt einer Pforte lesen Sie Pförtnerdienst, für die Besetzung am Tresen Empfangsdienst.
- Einweisung vor dem ersten Dienst. Jede eingeteilte Kraft wird am Objekt eingewiesen, bevor sie ihren ersten Dienst antritt, Vertretungen eingeschlossen. Vertretung bei Krankheit und Urlaub ist fest eingeplant, damit keine Kraft ohne Kenntnis des Objekts in die Schicht geht.
- Anschluss an die Betriebsorganisation. Wo Sicherheit mit Haustechnik, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Brandschutzbeauftragtem verbunden ist und an Betriebs- und Alarmanweisungen mitgewirkt wird, reden wir vom Werkschutz. Der Schnittstellenblock der Anweisung ist dann der umfangreichste.
- Drei Standorte, ein Aufbau. Aus der Zentrale Höslwang, der Niederlassung Traunstein und der Geschäftsstelle München bedienen wir Objekte bayernweit, mit gleicher Gliederung und örtlicher Besetzung. Welche Regionen das sind, steht unter Einsatzgebiete. Das Angebot liegt binnen 24 Stunden nach der kostenlosen Objektbegehung vor.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zur Dienstanweisung
Was gehört in eine Dienstanweisung für den Pförtnerdienst?
Wer schreibt die Dienstanweisung – Auftraggeber oder Sicherheitsdienst?
Wie oft muss eine Dienstanweisung geprüft werden?
Was passiert, wenn keine Dienstanweisung vorliegt?
Wie unterscheidet sich die Dienstanweisung vom Leistungsverzeichnis?
Wie lang sollte eine Dienstanweisung sein?
Wer darf der Sicherheitskraft am Objekt Weisungen erteilen?
Wie wird die Anweisung an der Pforte bekannt gemacht?
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